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Bildung — Aus-Bildung

Hartmut Rosa: Kinder im Leistungszwang

Von klein auf stehen Kinder heutzutage unter Druck – durch Eltern, die das Beste wollen, und durch die Schule, die nach Leistungsfähigkeit die Chancen fürs spätere Leben verteilt. Wo bleibt da Platz, einfach nur zu spielen oder sich von etwas wirklich berühren zu lassen? Der Soziologe Hartmut Rosa (Universität Jena) hält einer zwanghaften Gesellschaft den Spiegel vor. Und erklärt, warum es wichtig ist, einfach mal Langeweile zu haben.

Hartmut Rosa ist ein deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler, der an der Friedrich-Schiller-Universität Jena lehrt, dem Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt als Direktor vorsteht und die Fachzeitschrift Time & Society mitherausgibt.

 

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PROBLEM:

 

Erwin Wagenhofer: Alphabet – Angst oder Liebe

Kinder, die durch das Schulsystem gezwungen werden. Chinesische Vorzeigeschüler, die von morgen sieben bis abends um zehn lernen und vergessen, was das Leben bedeutet.


Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird durch krisenhafte Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt und eine Antwort ist nicht in Sicht. Die politischen und wirtschaftlich Mächtigen wurden zum Großteil an den besten Schulen und Universitäten ausgebildet. Ihre Ratlosigkeit ist deutlich zu spüren und an die Stelle einer langfristigen Perspektive ist kurzatmiger Aktionismus getreten.

Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal, welche Schule wir besucht haben, bewegen wir uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen, als es darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer arbeitsteiligen Produktionsgesellschaft auszubilden. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je.

Denn neuerdings weht an den Schulen ein rauer Wind. „Leistung“ als Fetisch der Wettbewerbsgesellschaft ist weltweit zum unerbittlichen Maß aller Dinge geworden. Doch die einseitige Ausrichtung auf technokratische Lernziele und auf die fehlerfreie Wiedergabe isolierter Wissensinhalte lässt genau jene spielerische Kreativität verkümmern, die uns helfen könnte, ohne Angst vor dem Scheitern nach neuen Lösungen zu suchen.

Erwin Wagenhofer begreift das Thema „Bildung“ sehr viel umfassender und radikaler, als dies üblicherweise geschieht. Fast alle Bildungsdiskussionen sind darauf verkürzt, in einem von Konkurrenzdenken geprägten Umfeld jene Schulform zu propagieren, in der die Schüler die beste Performance erbringen. Wagenhofer hingegen begibt sich auf die Suche nach den Denkstrukturen, die dahinter stecken. Was wir lernen, prägt unseren Wissensvorrat, aber wie wir lernen, prägt unser Denken.

http://www.filmmacher.at/aktuelles.html

 




 

 

 

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